Jeder Hochseilgartenbetreiber, der Stiel-, Trauben- oder Rot – Eichen  als Aktionsbäume angesprochen hat, sollte ihn fürchten: den Eichenprozessionsspinner (EPS). Er hat sich in den vergangenen Jahren zügig in weiten Teilen Deutschlands ausgebreitet und stellt eine wachsende Gefahr für Baum und Mensch dar. Was genau macht diesen kleinen Falter so gefährlich und welche Methoden eignen sich am besten zu seiner Bekämpfung? Wir nehmen den EPS für euch unter die Lupe.

Hinter dem Namen Eichenprozessionsspinner versteckt sich ein nachtaktiver heimischer Falter. Zwischen Ende Juli und Anfang September flattern diese vom späten Nachmittag bis in die frühen Abendstunden in den oberen Kronen-Regionen der Eichen umher. Klingt eigentlich ganz idyllisch?

EPS-Larven schlüpfen in den Baumkronen

Entlarvt

Die Weibchen legen in dieser Zeit länglich schmale, sechs- bis siebenreihige Gelege mit jeweils 20 bis 30 Eiern ab. Die Eientwicklung beginnt unmittelbar nach der Eiablage, so dass die Entwicklung der Junglarven bereits im Herbst abgeschlossen ist.

Mitte April bis Anfang Mai schlüpfen die Larven und beginnen mit ihrem Fressgelage an den Knospen. Sobald sich die Blätter entfalten, kommt es durch die jungen Raupen zum großflächigen Lochfraß. In den darauffolgenden Wochen sind häufig Lichtungs- und sogar Kahlfraß zu beobachten. Bei mehrjährigem starken Befall nimmt der Wirtsbaum also direkt oder durch Folgeerscheinungen erheblichen Schaden. Insgesamt fünf Mal müssen sich die immer hungrigen Raupen häuten, bevor sie sich endlich Anfang Juli verpuppen können.

EPS-Raupen leben gesellig. Während sie sich ab Ende Mai bis Mitte Juni tagsüber in locker miteinander versponnenen Blättern und Zweigen versammeln, werden im Frühsommer die bis zu einen Meter langen Nester ausgebildet. Sie bestehen aus Gespinnstfäden, Kot und Larvenhäuten. Die älteren Raupen sind tagsüber Stubenhocker und ziehen sich in diese Gespinnstnester zurück. Nachts rücken sie dann in großen Gruppen in langen Prozessionen auf Nahrungs-Raubzüge aus.  

Eine haarige Angelegenheit

Ab dem dritten Larvenstadium wird es brenzlig. Die Raupen entwickeln jetzt mikroskopisch kleine Brennhaare, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Diese winzigen Härchen bilden dichte Polster oder Spiegel auf den Rücken der Raupen. Bei Beunruhigung brechen die innen hohlen Haare ab und werden – insbesondere bei trockenwarmer Witterung – durch Luftströmungen über weite Strecken von bis zu 200 m getrieben.

Die spitzen, an den Abbruchstellen scharfen und mit Widerhaken versehenen Spiegelhaare bohren sich bevorzugt an dünnen, feuchten Hautstellen ein. Wenn sie sich erst einmal festgesetzt haben, wird durch ein im Hohlraum der Haare vorhandenes lösliches Protein eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems ausgelöst. Die Folgen können von lokalen Hautentzündungen bis hin zum anaphylaktischen Schock reichen.

In der Regel klingt der Juckreiz nach maximal sieben Tagen wieder ab. Ernste Beschwerden treten vor allem auf, wenn Schleimhäute betroffen sind. Wichtig ist, dass das Einatmen der durch den Wind verteilten Raupenhaare zu schweren Asthmaanfällen führen kann.

Die fiesen Gifthaare sind natürlich auch im EPS-Habitat zu finden: In den Gespinstnestern, in denen sich die Raupen tagsüber aufhalten, häuten und verpuppen, sind immer große Mengen der Spiegelhaare vorhanden. Sie können noch Jahre nach ihrer Bildung, also bei längst verlassenen Nestern, schwere Reizungen auslösen.

Ab dem dritten Larvenstadium wandert der EPS den Baumstamm weiter hinab

Bekämpfungsstrategien

Aufgrund des Entwicklungszyklus des EPS haben sich zwei unterschiedliche Bekämpfungsansätze durchgesetzt:

  1. Vorbeugende Spritzung bis Mitte April, wenn die Larven schlüpfen, oder Mitte Mai, während des zweiten Larvenstadiums. Es gibt chemische und biologische Varianten. Pro Baum fallen hierbei – je nach Gesamtstückzahl – etwa 80 EUR bis 250 EUR an.
  2. Mechanisches Entfernen der Nester zur Reduzierung der Brennhaare (ab dem dritten Larvenstadium). Je Nest werden im Mittel etwa 50-70 EUR, je Baum etwa 200-500 EUR berechnet.

Dresscode

Bei allen Arbeiten an EPS-Nestern muss unbedingt dicht schließende, am besten doppelte Schutzkleidung (zwei Einweg-Schutzoveralls übereinander) mit Handschuhen sowie Gummistiefel, Brille und Atemmaske (Partikelfilter) getragen werden. Um die Kleidung undurchlässiger zu machen, sollten die Übergänge mit breitem Band abgeklebt werden.

Nach Arbeitsende sollte der Schutzanzug möglichst abgespült werden und dann auf links gekrempelt in den Müll wandern. Der Müllbeutel muss brennhaardicht sein. Erst wenn der erste Anzug verpackt ist, ist es sicher, den Zweiten auf die gleiche Art zu entsorgen. Alle Arbeitsutensilien müssen gereinigt, Kleidung bei min. 60 ° C gewaschen werden.

Achtung! Niemals mit gebrauchter Schutzkleidung in Fahrzeugen oder Räumen Platz nehmen. Die feinen Gifthaare setzen sich in den Polstern fest und bleiben über Jahre wirksam! Wer sich einen Hubsteiger zur Bekämpfung des EPS ausleiht, sollte daran denken, diesen vor Abgabe gründlich zu reinigen, wenn er sich Ärger mit dem Verleiher ersparen möchte. 

Die Mittel wirken sich unterschiedlich…

Chemiekeule und Bio-Tod

Für alle Spritzungen gilt, dass zuvor entsprechende Informationen und Genehmigungen bezüglich des Pflanzenschutzrechts und des Biozidrechts eingeholt werden müssen. Die Bekämpfung mit Chemikalien kann nur in einem kleinen Zeitfenster erfolgen. Es darf nicht regnen und nur wenig direkte Sonneneinstrahlung nach der Behandlung bestehen. Im Wald wird der Einsatz der Spritzmittel über das aktuelle Pflanzenschutzrecht geregelt. Im besiedelten Raum gelten die strengen Vorgaben des Biozidrechts. Sowohl beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als auch bei den Bioziden sollte man berücksichtigen, dass die meisten dieser Mittel nicht nur auf die Raupen des EPS zugreifen, sondern zudem auch die Vielzahl an Nützlingen  (z.B. Raupenfliegen/Tachinidae, Puppenräuber/Calosoma-Arten bei den Käfern, Fledermäuse und einige Vogelarten) sowohl direkt (bei den Gleiderfüßlern) oder indirekt (bei den Fledermäusen und Vögeln) erheblich schädigen und dezimieren. Die Risiken für die unmittelbar betroffene Flora und Fauna müssen also immer berücksichtigt werden Aktuelle Informationen zu den zugelassenen Pflanzenschutzmitteln erhält man u.a. auf der Internetseite des Julius – Kühn – Instituts oder der Infoplattform arbofux.de . 

…auf die umgebende Fauna aus

Handarbeit

Die mechanische Beseitigung der Nester ist zwar sehr viel umweltschonender, teilweise aber auch weniger effektiv.

Grundsätzlich muss darauf geachtet werden, dass häufig mehrere Nester in einem Baum bestehen und sich nicht alle Raupen zeitgleich im Nest befinden. Der betroffene Baum sollte also unbedingt nachkontrolliert werden. Außerdem bleibt die Umgebung auch nach der Entfernung kontaminiert. Die zuvor vom Wind verstreuten winzigen Brennhaare können nicht mechanisch beseitigt werden. Deshalb ist diese Art der Bekämpfung auch wirklich nur für Einzel-Nester oder -bäume zu empfehlen.

Und wie genau funktioniert‘s? Fixieren und abnehmen: Mit Haarspray, Sprühkleber oder Ähnlichem werden die Nester fixiert und dann vorsichtig mit Plastiktüten ummantelt – Gespinstrückstände dabei nicht vergessen!

Weitere Möglichkeiten sind das Absaugen mit speziellen Industrie-Staubsaugern oder Abkochen der Nester mit bis zu 97 ° C heißem Wasser. Aktuell wird von Kommunen und Straßenmeistereien zudem das Anbringen von EPS-Lebendfallen getestet. Hierbei wird unmittelbar unter dem Stammkopf des jeweiligen Baumes ein geschlossener Kunststoffring mit einem schwarzen Fangbeutel angebracht, in den die Raupen über Duftstoffe hinein gelockt werden. Die Fangbeutel sind regelmäßig abzunehmen und sachgerecht zu entsorgen. Seit dem letzten Jahr werden vermehrt Nistkästen für Meisen aufgehängt, da sich gezeigt hat, dass diese die Raupen des EPS in den ersten Stadien in durchaus großer Anzahl verspeisen und so den Fraßdruck erheblich verringern können. Die Ansiedlung der Vögel funktioniert jedoch dauerhaft nur, wenn das entsprechende Baumumfeld ebenfalls vogel- und insektenfreundlich gestaltet wird. 

Seid ihr bereit? Der EPS kommt.

 

Infos und Kontakt:

Planungs- und Sachverständigenbüro

Dipl. Ing. Marc Wilde

Am Feldweg 8

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