Plötzlich befanden wir uns mitten in der Pandemie und das auch noch zum Saisonstart. Die Osterferien begannen – die Aktivparks und Kletterwälder blieben geschlossen. Das Corona-Virus verbreitete sich immer schneller im Land. Um Neuansteckungen und eine Überforderung des Gesundheitssystems weitestgehend zu vermeiden, wurden bundesweit strenge Regelungen durchgesetzt. Mittlerweile dürfen die meisten Betriebe unter Auflagen zwar wieder öffnen, aber die Auswirkungen der Pandemie sind weiterhin in nahezu allen Lebensbereichen spürbar. 

Die meisten von uns sind zuversichtlich ins neue Jahr gestartet, hatten nach dem Ende der Winterpause sogar einige Tage geöffnet – und dann kam der Lockdown. Die Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt, Corona-Soforthilfe beantragt werden. Je nach Bundesland folgten ab Mitte Mai bis Anfang Juli die ersten Lockerungen. Der Ausfall hat schwerwiegende Nachwirkungen. Schon jetzt steht für viele fest: der Verlust vom Saisonbeginn wird nicht mehr ausgeglichen werden können.

Klettern in Zeiten von Corona

Klettern in Zeiten von Corona ist anders. Statt einer Rückkehr in den bekannten Berufsalltag, befinden wir uns in einer Zwischenphase, in der umfangreiche Hygienemaßnahmen an der Tagesordnung stehen. Unsere Ausrüstung erweitert sich um Desinfektionsmittel und Plexiglas-Schutz. Maske tragen ist obligatorisch. Wer sich nicht dran hält, muss mit drastischen Konsequenzen rechnen. Zumindest gilt das für den direkten Kundenverkehr, beim Betreten der Anlage und während der Einweisung. Sobald es ans Klettern geht, kann der Mundschutz endlich abgelegt und die frische Waldluft geatmet werden.

Von Region zu Region sind die Reaktionen unterschiedlich. In einigen Orten konnten Kletterwälder nach kurzer Anlaufzeit einen rapiden Anstieg der Besucherzahlen verzeichnen. Insbesondere an den Wochenenden in den Sommermonaten Juni und Juli waren mehrere Parks völlig ausgelastet. Andere Betreiber hatten weniger Glück. Viele erreichen noch immer nicht annähernd den Normalbetrieb. Der finanzielle Schaden ist in beiden Fällen immens. Allein durch die zwingende Einschränkung der Teilnehmerzahlen, wird vielerorts mit Einbußen von bis zu 50 Prozent gerechnet. An Aufgeben wird trotzdem nicht gedacht.

Wir haben verschiedene Hochseilgärten gefragt, wie es ihnen bisher in der Corona-Krise ergangen ist. Wie sehen die Konzepte aus? Gab oder gibt es Unterstützung? Was wurde versucht, um für Kletterer weiterhin attraktiv zu sein?

TreeTrek

Interview mit Sandra Lensch, Geschäftsführerin TreeTrek

Fotos: TreeTrek

Die idyllische Lage ist ideal zum Waldbaden

Was ist Eure Geschichte (Besonderheiten der Anlage, wann gegründet, wie viele Mitarbeiter)?

Seit 2005 erstreckt sich unser TreeTrek Kletterpark über eine 64.000 qm große Waldfläche und ist damit einer der größten in Norddeutschland. Wer hier startet kann die Strecke nicht überblicken. Das Ziel muss erst entdeckt werden. Der Park ist sogar so weitläufig, dass beim Klettern kein anderer Parcours zu sehen ist. Dazu bietet jeder Parcours eine außergewöhnlich lange Seilrutsche. Insgesamt sind es gut 650m Abfahrt für richtig viel Rutsch-Spaß! Kurze Seilrutschen haben wir abgeschafft.

Hier gibt es kein Gedränge. Jeder klettert nach seinem Tempo

Was waren Eure Herausforderungen/Probleme durch Corona?

Wir mussten zwangsweise schließen. Dadurch haben wir den Saisonstart verpasst und konnten über die Osterzeit keine Einnahmen verbuchen. Unsere Saisonmitarbeiter mussten sich nach anderen Jobs umsehen.

Welche Regeln wurden in eurem Bundesland durchgesetzt oder gelten noch immer?

Per Gesetz dürfen wir in Niedersachsen ab Juni wieder öffnen. Allerdings nur unter Einhaltung der Hygieneauflagen. Maskenpflicht und Abstand einhalten ist kein Problem. Schwierig ist, dass unsere Klettergurte regelmäßig desinfiziert werden müssten. Der Hersteller hat hierfür kein Desinfektionsmittel freigegeben, weil es das Material angreift und porös macht. Unsere Gurte wären so zwar virenfrei, aber nicht mehr reißfest und sicher.

Die Alternative wäre eine natürliche Desinfektion durch UV-Strahlung (24h hängen lassen). Mit dieser Methode könnte maximal die Hälfte der Gurte zeitgleich eingesetzt werden. Unser Umsatz würde also um 50% einbrechen. Wir könnten mehr Gurte dazu kaufen, dann gäbe es einen guten Umsatz im Sommer. Aber die Gurte müssen bezahlt werden und dann kommen noch die Personalkosten und die Pacht dazu.

Nach langem Hin- und Herrechnen steht jetzt leider fest: Auch die restlichen Monate der Saison 2020 bleiben wir geschlossen. Sehr schade.

Die Parcours liegen weit auseinander. So kann jede Gruppe den Wald für sich allein genießen

 

Welche Hilfeleistungen konntet Ihr bisher beantragen (gab es Schwierigkeiten bei der Beantragung) und ist die Unterstützung ausreichend?

Wir hatten bereits im April einen Antrag auf Soforthilfe eingereicht. Die Antwort kam erst vor drei Wochen: Unser Antrag wurde ohne Begründung abgelehnt.

Verschiedene Schwierigkeitsgrade bieten Raum zum Ausprobieren

Normalisieren sich Eure Besucherzahlen? Kommen weniger/mehr Besucher?

Es rufen viele Leute an – keine Gruppen – vorwiegend einzelne Familien. Viele verstehen nicht, warum wir geschlossen sind, denn „andere Parks haben auch geöffnet“ und „bei [uns] im großen Park kann man auch die Abstände toll einhalten“. Auf unserer Website versuchen wir die Spätfolgen der Corona-Auflagen zu erklären und die Fragen unserer Gäste zu beantworten.

Gelten Eure neuen Hygienekonzepte nur für die Corona-Zeit oder werden sie ab jetzt Standard?

Wir achten immer schon auf Hygiene. Händewaschen ist ein Muss, erst recht bei der Verwendung unserer Klettergurte. 

Habt Ihr Fragen an die Branche, Schwierigkeiten oder Anregungen?

Unsere Gäste kommen zum Waldbaden, zur Erholung und natürlich zum Klettern. Wir würden gerne unser Angebot erweitern und verschiedene Veranstaltungen inklusive Klettern anbieten. Welche Erfahrungen konnten andere Kletterpark-Besitzer in der Hinsicht schon sammeln? Wie groß sind eure Partys? Was umfasst euer Angebot? Vermietet ihr den ganzen Park, einen Teil oder einen bestimmten Parcours? Wir interessieren uns für eure neuen Ideen und Angebote.

Außerdem vermissen wir die aktuellen OBEN-Online Ausgaben. Es wäre super wieder alles am PC abrufen zu können.

Infos und Kontakt:

TreeTrek Kletterwald

Bad Bevensen

Alter Mühlenweg 1b

29549 Bad Bevensen Deutschland

Tel.: 0171 2330446

E-Mail: info@treetrek.de

www.treetrek.de

Infos und Kontakt:

Betreiberin: Sandra Lensch

Geschäftsführerin: Sandra Lensch

Erbauerin: Nicola Haase

Anzahl der Parcours: 9

Sicherungssystem: Bornack SSB

 

Buhl outdoor & sport events

Interview mit Olaf & Otmar Buhl, Geschäftsführer Buhl outdoor & sport events

Fotos: Buhl outdoor

Kreative Hindernisse sorgen für die extra Portion Nervenkitzel

Was ist Eure Geschichte (Besonderheiten der Anlage, wann gegründet, wie viele Mitarbeiter)?

Wir betreiben insgesamt drei Parks (Walsrode, Conneforde und Wangermeer), davon zwei mit einem Kletterwald in Kombination mit Fußballgolf und einer Bogenschießanlage. Der Park Walsrode ging 2007 mit neun Parcours an den Start, Conneforde folgte 2009 mit fünf Parcours. Beide Anlagen haben diverse Seilbahnen mit bis zu 100m Seeüberquerungen in ca. 10m Höhe. Während der Saison beschäftigen wir an die 40 Mitarbeiter.

Was waren Eure Herausforderungen/Probleme durch Corona?

Hier stellte sich die Herausforderung, den richtigen Ansprechpartner für das Hygienekonzept und die Öffnung zu erhalten. Während wir in Walsrode relativ früh öffnen durften, wurde uns das in Conneforde untersagt – beide liegen in Niedersachsen. Mal hat sich das Gesundheitsamt, mal das Ordnungsamt eingeschaltet und eine Öffnung untersagt.

Ob Bogenschießen, Fußballgolf oder Blobbing – die Einweiser tragen Maske

Welche Regeln wurden in eurem Bundesland durchgesetzt oder gelten noch immer?

Bisher gibt es seitens des Ordnungsamtes keine Einschränkung der Teilnehmerzahlen. Durch eine verminderte Anzahl in den Einweisungsparcours regulieren wir die Besucherzahlen selbst.

Hangeln und balancieren: wer regelmäßig klettert, trainiert sein Gleichgewichtsgefühl

Was sind die Besonderheiten Eures Coronakonzepts?

Wir bieten getrennte Plattformen zum Anziehen der Gurte, so dass Familien, Haushalte und Paare unter sich bleiben. Beim An- und Ausziehen der Gurte besteht eine Maskenpflicht. Wir verwenden Strickhandschuhe, die nach jedem Nutzer gewaschen werden und die von den Teilnehmern immer als aller erstes angezogen und als letztes wieder ausgezogen werden.   

Wie bereitet Ihr Euch auf die zweite Corona-Welle vor? Sind Eure Hygiene-Konzepte zweite-Welle-sicher?

Grundsätzlich ja – hängt von den Einschränkungen seitens der Ämter ab.

Welche Hilfeleistungen konntet Ihr bisher beantragen (gab es Schwierigkeiten bei der Beantragung) und ist die Unterstützung ausreichend?

Aufgrund unserer Struktur mit drei Parks und einer anhängenden Eventabteilung, fallen wir entweder durch den Personalschlüssel (N-Bank) oder der Richtlinien der KFW durch jedes Raster. Wir setzen jetzt auf einen Unternehmenskredit und unsere Hausbank.

Normalisieren sich Eure Besucherzahlen? Kommen weniger/mehr Besucher?

Bisher sind die normalen Besucherzahlen noch lange nicht erreicht. Auch macht uns das Verbot von Schulausflügen (Wandertagen) und die Zurückhaltung bei Firmenfeiern etc. zu schaffen. Diese finden in 2020 definitiv nicht statt.

Gelten Eure neuen Hygienekonzepte nur für die Corona-Zeit oder werden sie ab jetzt Standard?

Wir werden die Hygienemaßnahmen nach Corona an die Forderungen anpassen. Das funktioniert insbesondere über ein feingliedriges Buchungssystem mit kürzeren Wartezeiten.

Nach der Action kommt die Erholung. Nichts lädt zum Ausruhen mehr ein, als eine schöne Aussicht

Habt Ihr Fragen an die Branche, Schwierigkeiten oder Anregungen?

Durchhalten und die Saison 2021 planen.

Infos und Kontakt:

Buhl outdoor &

sport events GmbH

An der Autobahn 8

Gebäude 44

26215 Wiefelstede

Tel.: 0441 384 4965

E-Mail:buhl-events@t-online.de

www.buhl-events.de

www.buhl-activity-parks.de

Infos und Kontakt:

Betreiber: Buhl outdoor & sport events GmbH

Geschäftsführer: Olaf & Otmar Buhl

Erbauer: Arbre & Adventure // Buhl outdoor & sport events GmbH

Anzahl der Parcours: Walsrode 9, Conneforde 5

Anzahl der Elemente:Walsrode 104, Conneforde 74

Sicherungssystem: Doppelkarabiner / Petzl Tandem Rollen

Gurte: AeroBeal 3

Kletterwald Schwindelfrei

Interview mit Rainer Schmidt, Geschäftsführer Kletterwald Schwindelfrei

Fotos: Barbara Bechtloff

Einweisungen finden an der frischen Luft und mit ausreichend Platz statt

Was ist Eure Geschichte (Besonderheiten der Anlage, wann gegründet, wie viele Mitarbeiter)?

2007 haben wir unseren Kletterwald Schwindelfrei in Brühl bei Köln gebaut. Unser Team besteht aus zehn Festangestellten und vielen motivierten 450EUR Kräften, die uns während der Saison unterstützen. Der Kletterwald selbst besticht nicht nur durch sein atemberaubendes Außengelände, sondern vor allem auch durch die Vielzahl an Parcours und Kletterelementen. Selbst Stammgästen wird es hier nicht langweilig. Über die Jahre ist unser Angebot immer weiter gewachsen. Angefangen beim Klettern in schwindelerregenden Höhen bieten wir mittlerweile GPS-Touren, Team- und Schultrainings, Events, Junggesell*innenabschiede, Bogenschießen, Feriencamps und Kindergeburtstage an. Bei uns ist für Jeden was dabei.

Weg mit der Maske! In den Bäumen schützen Handschuhe vor Infektionen

Was waren Eure Herausforderungen/Probleme durch Corona?

Wie alle Kletterwälder sind wir auf das Saisongeschäft angewiesen. Im März hatten wir unsere Anlage für ein Wochenende geöffnet – dann kam der Lockdown. Von heute auf morgen mussten wir alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Unser geplantes Feriencamp in den Osterferien viel komplett aus. Genauso konnten etliche Schulausflüge und Teamtrainings nicht stattfinden. Durch das Virus ist unser gesamtes Oster-Geschäft weggebrochen.

Welche Regeln wurden in eurem Bundesland durchgesetzt oder gelten noch immer?

Bei uns gelten die allgemeinen Schutz- und Hygieneregeln. Das heißt also in der Nähe von anderen Personen sind Masken zu tragen und Abstand zu halten.

Abstandshalter und Markierungen helfen die richtige Distanz einzuhalten

Was sind die Besonderheiten Eures Coronakonzepts?

Im Eingangsbereich und bei den Einweisungen im Freien tragen unsere Trainer genauso wie die Gäste Masken. Damit unsere Mitarbeiter zwischendurch eine Atempause bekommen, haben wir den Kassenbereich mit einem Spritzschutz versehen. Eine der wichtigsten Umstellungen war die Regelung des Kundenstroms. Zurzeit können Tickets und Veranstaltungen ausschließlich online gebucht werden. So können wir feste Time-Slots von 30 Minuten planen, in denen sich nie mehr als 20 Personen zugleich in einem Bereich aufhalten. Desinfektionsmittel stehen so ziemlich überall und wir haben sogar eine Toilette umfunktioniert, so dass lediglich die Waschbecken genutzt werden können. Wir weisen nämlich unsere Gäste an die Hände zu waschen, bevor es ans Klettern geht. Vor den Elementen zeigen Abstandshalter die richtige Distanz an, die zum jeweiligen Nachbar eingehalten werden soll. Zusätzlich haben wir eine Handschuhpflicht eingeführt. Geschlossene Arbeits- und Gartenhandschuhe können von zu Hause mitgebracht oder direkt bei uns für zwei Euro pro Paar erworben werden.

Mit oder ohne Pandemie: draußen klettern ist ein einzigartiges Naturerlebnis

Wie bereitet Ihr Euch auf die zweite Corona-Welle vor? Sind Eure Hygienekonzepte zweite-Welle-sicher?

Unser Konzept funktioniert. Allerdings hoffen wir, dass, falls es zu einer zweiten Welle kommt, diese nicht vor November beginnt.

Welche Hilfeleistungen konntet Ihr bisher beantragen (gab es Schwierigkeiten bei der Beantragung) und ist die Unterstützung ausreichend?

Wir haben die Soforthilfe für Unternehmen erhalten. Unsere Mitarbeiten waren in Kurzarbeit, aus der wir sie je nach Bedarf wieder einsetzen konnten. Zusätzlich haben wir noch einen von der KFW Bank abgesicherten Kredit aufgenommen. Diese Maßnahmen haben uns sehr geholfen die ersten Monate des Lockdowns zu überstehen.

Einfach scannen für den Check-In. Das Ticketsystem läuft über Online-Reservierung und QR-Code

Normalisieren sich Eure Besucherzahlen? Kommen weniger/mehr Besucher?

Das Geschäft lief ziemlich mäßig an. Anfangs hatten wir eine Auslastung von weit weniger als 50 Prozent. Dann kamen die Sommerferien und wir waren plötzlich so gut besucht wie nie zuvor. Dadurch konnten wir einen Teil unserer Verluste wieder herein holen. Sogar unser Sommer- Feriencamp fand statt – natürlich in deutlich kleineren Gruppen und komplett draußen. Viele Geburtstage wurden vom Frühjahr auf die Sommerzeit verlegt und bei uns nachgefeiert. Seit Ende der Sommerferien sind die Besucherzahlen unter der Woche wieder zurück gegangen. An den Wochenenden kommen aber weiterhin viele Kletterfans.

Gelten Eure neuen Hygienekonzepte nur für die Corona-Zeit oder werden sie ab jetzt Standard?

Hoffentlich nicht. Ständiges Händewaschen und desinfizieren sollte in dieser extremen Form nicht nötig sein. So lange aber das Virus nicht effektiv bekämpft werden kann, steht die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Gäste an erster Stelle.

Infos und Kontakt:

Kletterwald Schwindelfrei

Bechtloff Schmidt GbR

Liblarer Straße 183

50321 Brühl

Deutschland

Tel.: 02232 157471

E-Mail: klettern@schwindelfrei-bruehl.de

www.kletterwald-schwindelfrei.de

Infos und Kontakt:

Betreiber: Rainer Schmidt, Raimund Bechtloff

Geschäftsführer: Rainer Schmidt, Raimund Bechtloff

Erbauer: Selbstgebaut

Anzahl der Parcours: 17

Anzahl der Elemente: 115

Sicherungssystem: Coudou Pro

Gurte: Skylotec

Helme: Edelrid