Die Region Schladming-Dachstein in der Steiermark in Österreich steht seit langem vor allem für Aktivitäten wie Wandern und Klettern. Mit der Zipline am Stoderzinken ist die Region seit 2013 um eine Attraktion reicher.

Neugierige Zuschauer

Die Oben-Redaktion wollte es mal wieder wissen: Was ist dran am Traum vom Fliegen? Im Juli wagten wir uns daher für Euch nach Schladming und testeten die dortige Zipline. Wieder mit im Gepäck: unsere mittlerweile dreizehnjährige Testperson.

Da steht der Junge – auf 1.600 Metern Seehöhe, auf dem Rücken einen Rucksack mit Equipment, in der Hosentasche einen „Boardingpass“ und schaut ungläubig den Berg hinunter. In der Tiefe kann man die Mittelstation erkennen, noch tiefer die Talstation erahnen. Hier geht es herunter? Sicher? Erstmal schauen, wie die anderen Passagiere das hinbekommen. 

Kurz vor dem Start: die Spannung steigt!

Zeit, sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen und sich dem Gedanken anzunähern, sich gleich nur in einem Gurt sitzend mit rasender Geschwindigkeit den Berg hinunter zu stürzen, ist genügend eingeplant. Das beginnt schon mit der angenehm entspannten Situation am Boden. 

Check In

Unten im Tal, gleich neben dem Abenteuerpark in Gröbming, befindet sich die Check-In-Station für die Zipline. Besucher, die sich zuvor online angemeldet haben, können sich hier in aller Ruhe an vier Terminals selbst einchecken. Dann geht es weiter zum freundlichen Bodenpersonal, welches das Equipment austeilt. Hierfür wird jeder Fluggast zunächst gewogen und in eine von vier Gewichtsklassen eingeteilt – rot, gelb, weiß und grün. Das ist wichtig, denn er erhält dadurch eine Seilrolle, deren Bremsstufe seiner Gewichtsklasse entspricht. Gurt und Seilrolle sind praktisch verpackt in einem Rucksack. Diesen bekommt der Fluggast zusammen mit seinem „Passport“ ausgeteilt. Während wir gemütlich in der Sonne sitzen und auf den Shuttle-Bus warten, der uns zur Bergstation bringen wird, können wir in dem Passport schon mal in aller Ruhe nachlesen, wie der Gurt später anzulegen ist.

Transfer

Unsere Testperson ist glücklich: Sie muss nicht zu Fuß bis zur Bergstation kraxeln. Vom Abenteuerpark Gröbming wären das immerhin etwa 700 Höhenmeter. Nein, es geht ganz bequem mit dem Shuttle-Bus hinauf. Über unzählige Serpentinen schlängelt sich dieser auf einer Länge von insgesamt zehn Kilometern den Berg hinauf. Alle 45 Minuten fährt ein Bus von der Check-In-Station los und transportiert maximal 45 Menschen zur Bergstation hinauf. Damit ist dafür gesorgt, dass sich oben keine Staus und zu lange Wartezeiten bilden. Bis der nächste Bus oben ankommt, sind die Passagiere des ersten Busses schon die Zipline hinunter gefahren.

Fönfrisur inklusive!

Bergstation

Und da steht er nun, der Junge mit der sonst so großen Klappe, und wird ganz still vor Aufregung. Denn oben auf der Bergstation sieht man erstmal, wie hoch man wirklich ist. Auf 1.600 Metern Seehöhe sieht die Talstation auf 900 Metern ganz schön klein aus. Auf einer Plattform, die den Blick ins Tal freigibt, entpacken wir – wie alle Passagiere –  unsere Rucksäcke und ziehen, den Anweisungen in den Passports folgend, unsere Gurte an. Damit eingekleidet betreten wir den Vorraum zur Abflugrampe. Hier kontrolliert das Flugpersonal, ob die Gurte richtig sitzen. Jeder Passagier wird hier noch ein zweites Mal gewogen, um sicher zu gehen, dass er auch die richtige Seilrolle dabei hat. Dann geht es in Vierergruppen hinaus auf die Abflugrampe.

ready vor Take-off

Nach und nach werden wir von dem Flugpersonal in ein Seil eingehängt. Es fährt allerdings niemand sofort den Berg hinunter. Vielmehr muss zunächst die elektronische Startfreigabe abgewartet werden. Erst wenn unten an der Mittelstation die Bremse wieder zurück gefahren ist und wenn auch noch der Wind stimmt, wird die Startautomatik freigegeben. Dieses System ist von den Mitarbeitern oder Passagieren nicht zu beeinflussen. Ein eigenmächtiger manueller Start ist also nicht möglich. Unsere Testperson sitzt also in ihrem Gurt, blickt den Berg hinunter und wartet auf das grüne Licht neben ihrem Seil. Als dieses bei allen vier Seilen leuchtet, wünscht das Flugpersonal eine gute Fahrt und gibt alle vier Seile gleichzeitig frei. 

Fliegen

Mit einem kräftigen Ruck stürzen wir den Berg hinunter. Der Magen macht einen kurzen Hüpfer, wie in einem Aufzug, der zu schnell fällt. Kurz darauf aber gleiten wir nur noch dahin. Das hat tatsächlich etwas vom Fliegen. Der Fahrtwind weht uns in das Gesicht, während wir mal hinab ins Tal, mal unter uns in die Landschaft und mal in die Ferne blicken und einfach nur genießen. Der Genuss im ersten Abschnitt bis zur Mittelstation auf dem Sticklereck währt über 1,5 Kilometer. Dann wird kurz umgestiegen. Ein Mitarbeiter nimmt uns in Empfang, hängt uns aus dem einen Seil und in das nächste Seil ein, der Rest ist wie oben. Das Startprocedere hier geht unsere Testperson dieses Mal schon viel gelassener an. Im zweiten Abschnitt fahren wir noch schneller durch die Luft: Bis zu 115 km/h erreichen wir. Viel zu schnell erfolgt die Landung an der Talstation, aber wenn es am schönsten ist soll man ja bekanntlich aufhören.

Geschäftsführer Werner Berger (li.), Oben-Herausgeber Rainer Schmidt (re.)

Heimreise

Nach der Landung werden die Flugutensilien wieder in den Rucksack gepackt und ein kleiner, etwa fünfminütiger Spaziergang führt uns zurück zum Check In- oder besser Check Out-Bereich. Es geht vorbei an den nächsten Passagieren, die auf ihren Bus warten, und unsere Testperson kann es sich nicht verkneifen, laut „Nochmal!“ zu rufen. 

Die Fakten

Geschäftsführer Werner Berger erläutert uns, was alles hinter diesem Vergnügen steckt: 

„Die Zipline wurde zwar mit vier Jahren Verzögerung gebaut. Die Bauphase betrug dann aber nur ein halbes Jahr, so dass wir im Jahr 2013 eröffnen konnten. Das Investitionsvolumen betrug 2,5 Mio. Euro und wurde mit Hilfe mehrerer Investoren, darunter auch Einwohner aus dem Dorf, zusammengetragen.

Wichtig war uns, ein besonders zuverlässiges und sicheres System zu installieren, das nicht manuell zu beeinflussen ist. Daher diese ausgeklügelte Startfreigabe: In dem 20mm-Seil, das wir verwenden, ist das Kommunikationssystem integriert. Wenn an der unteren Station die Bremse wieder zurück gefahren ist, wird an die obere Station ein Signal gesendet. Vorher ist oben der Start blockiert und kann auch nicht manuell ausgelöst werden. Dadurch verhindern wir Auffahrunfälle. Wichtig ist auch, dass der Wind mitspielt. Seiten-, Gegen- und Rückenwind müssen stimmen. Daher ist das Startsystem auch blockiert, wenn das Windmessgerät keine Freigabe sendet.“

Zu guter Letzt

Eine Fahrt mit der Zipline ist für Menschen ab acht Jahren und mindestens 120 cm möglich. Das Mindestgewicht, was ein Passagier auf die Waage bringen muss, sind 30 kg, maximal dürfen es 125 kg sein.

Infos und Kontakt:

Zipline Stoderzinken

Stoderstraße 114

8962 Gröbming / Austria

Tel.: +43 3685 22 622

E-Mail: info@zipline.at

www.zipline.at