Im Mai dieses Jahres wurde die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt über dem Staubecken der Rappbodetalsperre im Harz eröffnet. Was für so manchen Besucher schon Kick genug ist, ist für andere nur der erste Schritt in Richtung freier Fall. Denn mit in das Bauwerk integriert ist ein Giga-Swing mit einer Sprungtiefe von 75 Metern. 

Aus der Grundidee, einen Giga-Swing zwischen den Uferseiten der Rappbodetalsperre zu verspannen, entwickelte sich das Projekt rund um die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt. So geschehen vor etwa zwei Jahren, als die hochkant GmbH zu den Planungen der Brüder Stefan und Maik Berke (Harzdrenalin UG) hinzugekommen ist, eine weitere Besucher-Attraktion an der größten Staumauer Deutschlands im Harz zu schaffen.

Seit damals ist viel passiert: Das Brückenbauwerk spannt sich mit 458 Metern über das Staubecken der Rappbodetalsperre und hat somit den bisherigen Weltrekordhalter im russischen Sotschi um 19 Meter überboten. Entsprechend groß war das Medien- und Besucherinteresse zur offiziellen Eröffnung am 7. Mai 2017.

rekordverdächtig

Mitten in das Brücken-Bauwerk integriert ist eine Gondel, in der sich die Giga-Swing-Anlage befindet. Von dort aus können sich Besucher, die zur Brückenüberquerung den ganz besonderen Adrenalinkick suchen, im freien Fall in die Tiefe stürzen. Somit handelt es sich nicht nur bei der Hängebrücke um ein Rekord-Bauwerk mit einer Sprungtiefe von rund 75 Metern besitzt auch der Giga-Swing rekordverdächtige Dimensionen.

Da der Zugang zur Gondel über die Hängebrücke erfolgt, müssen sich die Sprungkandidaten erstmal auf dieselbe begeben. Hierfür wird keine zusätzliche Sicherheitsausrüstung benötigt, einzig festes Schuhwerk wird für das Betreten des Gitterrost-Laufstegs gefordert. Das 1,30 Meter hohe, komplett geschlossene Geländer sorgt hier für maximale Sicherheit.

3 – 2 – 1

In der Gondel angekommen, werden die Teilnehmer von geschulten Trainern in Empfang genommen und auf ihren Sprung vorbereitet. Dazu gehören das Einkleiden mit einem Spezialgurt und eine Einweisung. An diesem Punkt können die Teilnehmer entscheiden, ob sie solo oder mit Partner im Tandem springen wollen. Nach Gegenchecken durch einen weiteren Trainer werden die Sprungwilligen in den Sicherungspunkt des Swings eingehängt. Nach dem Abzählen des 3-2-1-Countdowns erfolgt der Schritt ins Nichts. Im freien Fall geht es rund 75 Meter in die Tiefe, um durch eine Pendelzugbewegung aufgefangen zu werden. Nach dem Ausschwingen geht es mittels Spezial-Windensystem wieder in die Gondel zurück.

Aber auch für Besucher, die eine Brückenüberquerung ohne Pendelsprung genießen möchten, stellt die Überquerung der Brücke ein besonderes Erlebnis dar. Das Gefühl beim Begehen des Bauwerks wird von den meisten Besuchern als besonderer Spaziergang mit leichtem „Höhenkribbeln“ empfunden. Für den einen oder anderen Teilnehmer stellt das Betreten der Hängebrücke jedoch eine spezielle Herausforderung dar. Besonders wenn der Blick durch die Löcher des Laufbelags auf das 100 Meter tiefer liegende Bode-Talbecken fällt, kann sich eine leichte Höhenunsicherheit einstellen.

Gigantisch: 75 Meter freier Fall

hochkant GmbH als Generalplaner

Als Generalplaner für dieses Projekt zeichnet sich die hochkant GmbH verantwortlich. Sie hat sich in enger Zusammenarbeit mit den Bauherren rund zwei Jahre lang um die Planung der Konstruktion, die Abstimmung der fachlich Beteiligten sowie die Baukoordination und –überwachung gekümmert. Auch die Montage des Giga-Swings und die Schulung der Trainer wurden von ihr übernommen. Als General-Bauunternehmen war die HTB Baugesellschaft mbH aus Tirol vor Ort. Sie hat das Bauwerk in einem Zeitraum von insgesamt zehn Monaten realisiert.

Während dieser Zeit wurden 148 Kubikmeter Beton und 25 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut. Halt geben den enormen Brückenzugkräften von 947 Tonnen insgesamt 48 Zug- und Druckanker, die bis zu 27 Meter in das Erdreich versenkt wurden. Das gesamte Brückengewicht von 120 Tonnen wird von den vier Haupttragseilen mit einem Durchmesser von 65 mm gehalten. Zwei seitliche Stabilisierungsseile halten die Brücke in Position. Bis zu einer Windstärke von 6 Bft. ist ein Betrieb der Brücke möglich.         

 

Interview mit Stefan Gaßner (hochkant-Projektleiter)

Oben: Welche konkreten Aufgaben wurden von Euch übernommen?

Gaßner: In unserer Funktion als Generalplaner liefen bei uns alle Fäden im Bereich Projektplanung und -steuerung zusammen.  

Oben: Was war die größte Herausforderung bei dem Projekt?

Gaßner: Es handelt sich hier um ein einmaliges Projekt. Es ging hier nicht nur darum, die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt zu schaffen. Hinzu kam hier noch die Integration des Swings in das Bauwerk.

Oben: Gab es besondere Anforderungen an die Statik? 

Gaßner: Bei einem Brückenbauwerk in dieser Dimension stellt die Statik eine besondere Herausforderung an alle Beteiligten dar. Es mussten Vorgaben aus verschiedensten Normen berücksichtigt werden. Hierzu zählt z.B. für den Swing die Seilgarten-Norm EN 15567. Das gesamte Projekt wurde von Beginn an von einem Prüfingenieur begleitet, welcher sämtliche Teile der Statik kontrolliert und freigegeben hat.

Oben: Welche besonderen technischen Lösungen mussten umgesetzt werden?

Gaßner: Da wir über Wasser springen, müssen die Teilnehmer wieder zurück in die Gondel befördert werden. Diese Aufgabe übernimmt eine elektronisch gesteuerte Spezialwinde in kurzer Zeit. Hier galt es, die hohen Auflagen in Sachen Funktion, Betrieb und Rettung zu erfüllen. Selbst bei Stromausfall ist es möglich, die Teilnehmer zurückzuholen.

Oben: Welches Know-How konntet Ihr aus Euren bisherigen Projekten einbringen?

Gaßner: Obgleich wir in der Vergangenheit zahlreiche Spezialprojekte im Event- und Seilgartenbereich realisiert haben, war die Konzeption einer Fußgänger-Hängebrücke mit Swing in dieser Größenordnung eine spannende und fordernde Aufgabe.

Oben: Was bedeutet dieses Projekt für Euch?

Gaßner: Wir sind besonders stolz darauf, dass wir auch dieses tolle Projekt für die Brüder Maik und Stefan Berke begleiten durften. Sie betreiben an der Rappbodetalsperre bereits seit mehreren Jahren sehr erfolgreich eine Wallrunning-Anlage sowie einen Mega-Fox mit 1.000 Metern Länge. Auch bei der Realisierung dieser beiden Event-Anlagen waren wir bereits mit im Boot.

Wir danken Herrn Gaßner für dieses Interview.

Infos und Kontakt:

 

hochkant GmbH

Am Tobel 7

88167 Gestratz-Brugg

Tel.: 08 38 3 92 95 8-0

E-Mail: info@hochkant.de

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